Kaffee-Rösterei

Nine to Five

Hast Du gewusst, dass es in der Schweiz 141 Kaffeeröstereien gibt? Richtig gelesen. Man könnte doch eigentlich meinen, dass Kaffee, Kaffee ist und dass da zwei drei Röstereien in der Schweiz ausreichen sollten. Es gibt ja schliesslich Nespresso und Delicio. 

Es werden in der Schweiz jährlich rund 75’000 Tonnen Kaffee geröstet und nach unzähligen Rezepten gemischt. Herkunft, Röstung und Qualität der Kaffeemischung beeinflussen den Geschmack massgebend. 

Auch in unserem ICT-(Kaffee)Sortiment kreieren im Moment sehr viele Röstereien unzählige Mischungen in verschiedensten Geschmacksrichtungen. Nicht allen munden die Misch-Rezepte gleich gut. Es gibt immer wieder Top-Mischungen, welche den Geschmack von sehr vielen Kunden treffen und zu Kassenschlagern werden. Da wäre es fatal, wenn solche Bestseller durch unsorgfältige Abmischung zu Flops würden. Damit dies nicht passieren kann, beschäftigt jede renommierte Rösterei, die etwas auf sich hält, Röstmeister /-innen. Spezialisierte Arbeitskräfte, die sich sehr genau an die Rezepturen halten und mit grossem Engagement, Gewissenhaftigkeit und Qualitätsdenken, täglich ihren Job machen. Nennen wir sie und dies wertschätzend gemeint, die Nine-to-five-Mitarbeitenden / 9-to-5-MA.

Dreissig Prozent der Arbeitnehmenden sind 9-to-5-MA. Es sind jene Personen, welche den Laden am Laufen halten. Sie sorgen massgeblich dafür, dass Bestseller nicht floppen.

Imagemässig gilt bei vielen, meist jüngeren und junggebliebenen Kolleginnen und Kollegen, ein 9-to5-Job als uncool. Cooler ist es für viele von ihnen, mit langen Präsenzzeiten zu prahlen. Sie bevorzugen vielfach unregelmässige Arbeitszeiten. In ihrer ach so knapp bemessenen Frei- und Erholungszeit, fahren sie Söphi vom Frühchinesisch in die Ballettgruppe und Lionel vom Karate in die Flötenstunde, um sich danach, kurz vor dem eigenen Fitnesstraining, einen Farmerriegel zu genehmigen. Wir leben in einer Konsumgesellschaft, deren Geschmacksnerven beinahe täglich neue Geschmacksreize suchen auch in unserem Arbeitsumfeld. Das ruft nach schnellen und agilen Sortimentsveränderungen. Innovation ist angesagt. Innovation bedeutet einfach gesagt, Produkte ständig dem Konsumentengeschmack anzupassen. Dazu braucht es Produkt-Designer mit ausgebildetem Geschmackssinn und Freude an der Veränderung. Idealerweise kreative Chaoten. Es liegt auf der Hand, dass bei dieser Arbeitsgruppe, geregelte Arbeitszeitmodelle ein innovatives und kreatives Desaster verursachen können. Produkt-Design ist folglich alles andere als ein 9-to-5-Job. Es wäre jetzt aber fatal, daraus einfachheitshalber ableiten zu wollen, dass kreative Chaoten nur bei den Jungen / Jüngeren zu finden sind. Nö, nö, da kennen wir im eigenen Umfeld sicher ältere Semester, welche dem Chaoten-Prädikat allemal gerecht werden. Aber Vorsicht! Das sei an dieser Stelle klar und deutlich festgehalten. Wir sind in unserer Rösterei in gleichem Mass auf 9-to-5-MA wie auf Produkt-Designer angewiesen. Lasst sie aber möglichst wenig und niemals unkontrolliert auf einem gemeinsamen Weg gehen! Das führt zu starken Reibungsverlusten und Brandnarben, ähnlich wie beim Kreuzen auf einem Single Trail. Kleiner Tipp an die Führung. Beide voneinander trennen! Nur so können sie das Zeug zum Leistungsträger entwickeln und ausleben. «Keiner zu fein ein Leistungsträger zu sein.» Leistungsträger gehören zu einer Spezies, die gut geführt sein wollen. Sie sollten immer schön in Bewegung bleiben und wenig geistiges Fett ansetzen. Als wären sie Wellenreiter /-innen, die keine Angst vor dem nass werden haben. Was es dazu unbedingt braucht, sind passende Leistungsträger in den Führungspositionen. Denn sonst besteht die grosse Gefahr, dass man mit seinen Bestseller-Kaffeesorten im Einheitsmief von Nespresso- und Delicio landet. Das wäre dann einfallslos und einfältig und macht aus Leistungsträgern, Komfortzonen-Paschas. 

Jede Chefin/jeder Chef wünscht sich nichts sehnlicheres als Leistungsträger um sich herum. Leute, die Ihre Arbeit aus Leidenschaft und Berufung machen und nicht nur der Kohle wegen. «Umgekehrt ist aber auch gefahren!» 

Raus aus der Komfortzone! Finden wir im Wandel(n) die neuen Impulse für unser Handeln. Kaffeerösten ist anspruchsvoll! Das kann noch lange nicht Jeder. Nicht nur in einer Kaffeerösterei fallen die echten Leistungsträger durch ihre Akrobatik-, Helikopter- oder Blindflug-Fähigkeiten auf. Leistungsträger setzen sich aus Personen zusammen, die in ihrer Ausprägung sowohl zu den 9-to-5-MA, den Produkt-Designern oder zu den Führungspersönlichkeiten gehören. Man erkennt sie daran, dass bei ihrem Handeln nie der Fokus auf die Geschmäcker der Konsumenten/Kunden verloren geht. 

Also, immer schön in Bewegung bleiben! Nichts anbrennen lassen, sonst stinkt es in der ganzen Rösterei bitter!