I mag eifach ned

Motivation …

Wer in den nachfolgenden Zeilen nach lustigen Metaphern sucht, sucht vergebens. Das Thema liegt mir und meinem Umfeld zu nahe und brennt seit langer Zeit unter der Haut. Dabei geht es im Folgenden nicht, wie man dem Titel nach vermuten könnte, um die Auseinandersetzung mit dem Burnout-Syndrom, also der stressbedingten Erschöpfungsdepression.

Viel weniger beachtet, manchmal sogar ins lächerliche gezogen, geht es im Folgenden um das Syndrom der Langeweile am Arbeitsplatz, dem Boreout. Verbreiteter als man annehmen könnte! Eine psychische Belastung, die nicht als Volkskrankheit, wie Burnout, gilt. Was ist Langeweile am Arbeitsplatz? Eigentlich nichts anderes als eine mehr oder weniger dauernde Unterforderung. Eine Unterforderung, die sich fast auf einen Viertel der wöchentlichen Wachphase erstreckt. Mit anderen Worten, tägliche Langeweile von 8 Stunden an Arbeitstagen. Sorry, sprechen wir von Unterforderung, das tönt anständiger, auch wenn’s im Wesentlichen auf dasselbe herauskommt. Scheiss Job? 

Dies wäre zu einfach auf den Punkt gebracht. Gesellschaftlich gesehen wird Unterforderung im Beruf meist als Faulheit oder Unfähigkeit betrachtet. XY hat ganz einfach keine Lust an der Arbeit. Ein fauler Hund. Eine dusselige Kuh. Im Gegensatz dazu dürfen Menschen mit Burnout stolz sein. Haben sie doch alles in ihrem Job gegeben.

Ohne, dass wir in die tiefenpsychologischen Gefilde abtauchen wollen, ist es doch zumindest interessant, dass mehrere Ursachen zu einer Unterforderung am Arbeitsplatz führen können. Mehrere Ursachen, auf längere Zeit hinaus verteilt, beeinflussen zusammen mit der Veranlagung eines Betroffenen, in Kombination das Auftreten eines Boreouts. So verhält es sich auch mit den Symptomen. Es sind immer mehrere Symptome, die auf ein Boreout hindeuten, feststellbar. Typische Verhaltensmuster die meistens den Arbeitskollegen und Angehörigen zuerst auffallen. Signalisierte Lustlosigkeit, introvertiertes, pessimistisches, immer leiser werdendes Verhalten, schwindende Identifikation mit dem Arbeitgeber, verstärktes Suchtverhalten, Erschöpfung und gesteigerte Aggressivität sollten Grund genug sein, genauer hinzuschauen. Es könnte sein, dass ihr «Arbeitsgschpändli» einem Boreout zusteuert oder bereits darin steckt.

Nun liegt es ja auf der Hand. Wenn ich diese Symptome bei meinem Arbeitskollegen feststelle, ist es bereits zu spät. Die Idee ist eigentlich die, gar nicht erst ein Arbeitsumfeld zu haben, das in sich Boreout-Potenzial birgt. Überqualifikation, fehlende oder nicht gelebte Stellenbeschreibungen, keine Kommunikation über das Arbeitspensum und die Tätigkeiten, monotone Arbeiten, fehlende Identifikation mit der Arbeit sowie Handlungsunfähigkeit sind die Hauptursachen für ein Boreout. Wer nichts dagegen unternimmt, verliert die Begeisterung, wird faul und belügt oft sein Umfeld über den «enormen» Arbeitsaufwand. Heimtückisch daran ist, dass eine unterfordernde Arbeit mit der Zeit zur Routine wird. Schlafstörungen, Depressionen, Gereiztheit, sind die Folge. Es ist nachvollziehbar, dass sich Betroffene in solchen Situationen schlecht zurechtfinden und sich kaum selber helfen können. Meist steht, bevor man das Heft in die eigenen Hände nimmt, vermeintlich viel auf dem Spiel. Existenzängste, Unwissen über Alternativen, gesellschaftlicher Druck, dass man als unfähiger Nichtsnutz wahrgenommen werden könnte. Dazu kommen vermeintlich nicht beeinflussbare Umstände, die einem im proaktiven Handeln lähmen. Die Hände scheinen einem gebunden zu sein. Speziell in verwaltungsnahen Arbeitsumgebungen fällt das Hinterfragen und Handeln oft schwer. (Geschäfts)politische Abhängigkeiten und Interessen wirken sich in diesen Umgebungen oft unverhältnismässig stark und kontraproduktiv auf das Arbeitsumfeld aus. Kadavergehorsam wird vielfach mit Loyalität verwechselt. Angepasstes Verhalten kann zu Gesichtsverlust führen. Die Herausforderung speziell an die Führungskräfte ist hier besonders gross. 

Und es gibt sie doch, die Lösung. Es muss sie ja geben, sonst wären ja nicht so viele Arbeitnehmenden mit ihren Jobs in der Verwaltung zufrieden. Logisch, es gibt natürlich nicht die Verwaltung. Schätzungsweise mehrere Hundert Berufsbilder bieten in einem überaus grossen Arbeitsumfeld interessante, dynamische Jobs für fast jeden Geschmack. Es liegt also mit Sicherheit nicht am Angebot, wenn es bei der Arbeit übelzeitig wird. Im Gegenteil! Das ist eine der Chancen in der Verwaltung, die aus einer Unterforderung herausführen kann. Es liegt an einem selber! Will man sich alles bieten lassen? Sind die Kollegen und die Vorgesetzten die richtigen und passen sie zu mir und ich zu ihnen? Bin ich gefordert, werde ich gefördert? 

Motivation! Belohnung, Anerkennung, negative Konsequenzen sind die Quellen der sogenannten extrinsischen / äusseren Motivation – Zielorientierung. Die intrinsische Motivation ist selbst gemacht – Spass und Freude der Sache willen. Wie können wir uns selber motivieren, um nicht in die Boreout-Spirale zu geraten? Sich intrinsisch motivieren! Wie ist die Frage. Die folgenden Faktoren spielen dabei eine massgebende Rolle. Die Arbeit muss Spass machen, sinnvoll sein, muss die eigene Neugierde wecken, soll fordern aber nicht über- oder unterfordern, soll positive Emotionen wecken. 

Aber, der erste Schritt liegt bei uns. Suchen wir das Gespräch mit unseren Vorgesetzten. Nicht erst anlässlich des Mitarbeitergesprächs. Reden wir über unsere Unterforderung! Arbeitszeit kürzen, Wechsel der Arbeit, Übernahme von mehr Verantwortung oder Stellenwechsel.

Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, der findet Gründe.“ – Götz Werner