Berge versetzen

Change-Management

Berge versetzen. Mal ehrlich. Wer will das schon, draussen in der Natur. Löcher durch einen Berg bohren mag ja noch gehen, aber auch nicht selber. Dazu haben wir Ingenieure, Mineure, Sprengmeister und Tunnelbohrmaschinen. Schliesslich sind wir ja auch keine Ameisen, die angeblich locker das 100-fache ihres Körpergewichts tragen können. Allerdings führen wir uns in der IT-Welt oft so auf, als wären wir Ameisen. In unserer IT-Welt versetzen wir ganze Gebirgszüge in der Grösse der Alpen oder des Urals. Und die Kraft geht uns nicht aus. „Berge versetzen“ bereitet uns grosse Freude. So grosse Freude, dass wir Berge ohne triftigen Grund versetzen. Schon mal überlegt, wie es denen geht, die im Pulverdampf ihren Berg suchen und nicht einmal mehr das Gipfelkreuz finden? Das Sprengen mag ja lustig sein. Aufräumen hingegen macht keinen Spass, oder? 

Berge, werden oft überbewertet. Die stehen ja meist nur für nichts im Weg rum. Da spielt es doch keine Rolle, wenn da mal einer weg ist, gibt ja noch genug davon. Die Frage ist nur, wem der Berg gehört. Nach meinem Verständnis sollte der Besitzer bestimmen, ob er Veränderungen am Berg will. Erfahrungsgemäss wollen sie keine Veränderungen, nur das etwas läuft, dass man agil bleibt. Im Arbeitsumfeld, aber auch privat ist es selten langweilig. Veränderungen belasten eher und sind weniger erwünscht. Wer sagt in unserem IT-Mikrokosmos eigentlich, wann, was geändert wird, Berge versetzt werden sollen? Wer fragt nach dem Grund? Weshalb bestimmt nur in wenigen Fällen der Besitzer oder Anwender, was er braucht? Wir IT’ler sollten sie eigentlich unterstützen, ihnen helfen damit sie wieder «Wissen-Wollen, was sie brauchen“. Wir müssten eigentlich auch merken, wenn es nach «eierlegenden Wollmilchsäuen» riecht, uns für das Geschäft interessieren.

Wenn das Roden eines Waldstücks, im Verlauf der Arbeiten, immer langsamer geht, muss das nicht zwangsläufig damit zu tun haben, dass die Waldarbeiter an Agilitätsmangel leiden. Möglicherweise fehlt ihnen die Zeit und sie wollen deshalb ihre Sägen nicht schärfen! Da muss nicht zwingend eine neue Kettensäge her. Auch wenn sie farblich besser zur Schutzkleidung passen würde. Ein moderner Hybridantrieb verbaut und die Kettenschmierung gegen Aufpreis nachrüstbar ist. Auch nicht, wenn mit einer App, über Bluetooth, USB 3.0, 5G- und Internet of Things, die Kettenschärfe abgelesen werden kann. Ja klar, wer möchte mit solchen revolutionären Verbesserungen nicht Waldarbeiter sein? Soll deswegen der Förster wirklich alle im Werkzeugpark vorhandenen Kettensägen ersetzen oder besser den gesamten Wald sprengen? Es ist eigentlich egal was er tut. Aber er entscheidet! Er kennt sein Geschäft und er weiss welche Werkzeuge er braucht, damit es im Wald wieder flutscht. Finger weg von seinen Werkzeugen. Wir werden vielleicht nicht verstehen, weshalb er gerne auch GPS an der Kettensäge hätte. Es ist aber einfach nachvollziehbar, dass er scharfe Ketten an den Kettensägen braucht! Eine kleine, überschaubare, dafür vielleicht häufiger durchgeführte Anpassung, mit Mehrwert ist oft für alle Beteiligten bekömmlicher.

Und noch was! Eine Kettensäge ist nicht ein «Managed Chainsaw Rotator / MCsR». Nein, dem Förster und seinen Leuten ist klar, was eine Kettensäge ist. Sie wissen aber nicht, wollen es auch gar nicht wissen, was eine Em-si-es-ar ist. Aber sie haben den Anspruch, dass man mit ihnen normal spricht. Ist doch nicht zu viel verlangt!

Eigentlich erstaunlich, dass in der IT Änderungen „gemanagt“ werden müssen. Change-Management sagt man dem. Dieser Begriff wird immer mehr von der IT-Branche verwendet und scheint durch sie gepachtet zu sein. ITIL sei Dank. Eigentlich steht Change-Management für das Ändern von Organisationsbereichen mit personellen Auswirkungen. Dort gehört diese Disziplin meines Erachtens auch hin. Die Bedürfnisse der Unternehmung sollen in erster Linie den Einsatz der Ressourcen bestimmen. Aber auch wann, welche Änderung an ihnen gemacht werden soll. Im administrativen Umfeld fast jeder Unternehmung, diktiert erstaunlicherweise die „He nu halt – Philosophie“ die Veränderung. Die allgegenwärtigen „Herrscher über Sein und Nichtsein“ sagen schon, wann etwas verändert wird. Zwei neue Konfessionen in der IT-Religion! Microsoftismus und Apfelglauben! Hei! Gehts eigentlich noch! Wir lassen uns von CO2-Diskussionen, EU-Geplänkel und Diskriminierungsfobien ablenken! Dagegen ist ein C-Käfer sowas von harmlos! 

Leute, Leute! 

Ungefragt, dem Lustprinzip folgend, Berge zu sprengen ist ausgesprochen ungesund, teuer und genau genommen eine Sau-Frechheit. Für wen entsteht da Mehrwert? Konzentrieren wir uns doch wieder auf unsere Stärken. Wir sind die Befähiger und Nutzbringer im Sinne eines kompetenten Werkzeugmachers. Wir helfen und unterstützen das Geschäft so, dass die Wahrnehmung unseres Wirkens hoffentlich immer Freude bereitet. Sparen wir uns das Basteln, Flicklen und mit Sprengstoff herum hantieren für zuhause auf. Das könnte dann allerdings einen gröberen Change nach sich ziehen.