Aussitzen

«Man müsste eigentlich ein Buch darüberschreiben!» Da fällt er wieder dieser Spruch. «Diese unfassbaren und skandalösen Machenschaften gehören einfach an den Pranger gestellt!» Richtig, es geht um unser Arbeitsumfeld. Um die sich regelmässig widerholenden, nervenden und ressourcenfressenden «Nuller-Themen». Saublöde, unbedachte, unprofessionelle, nichts bringende verordnete Fürze, die nicht im Entferntesten etwas mit Innovation oder Mehrwert zu tun haben. 
Undifferenzierte Abrechnung? Wenn es so einfach wäre. Als Baldpensioniertem würde es mir natürlich besser anstehen, mich Betablocker gestützt, zurück ins Körbchen zu setzen.

Wie schafft man es auch mental abzugeben, loszulassen, den Jungen nicht in der Sonne zu stehen? Sie nicht dauernd vor den Gefahren des Bungee-Jumpings zu warnen, sie aber trotzdem nicht ins offene Messer laufen zu lassen? Wohin mit dem Gerechtigkeitssinn, mit der ethischen Überzeugung? Wohin mit den Visionen? Augen schliessen und durch? Aussitzen?
Ihr Jungen und jung gebliebenen, stellt Euch vor, dass sich beim Lesen der weiteren oft ernst gemeinten Zeilen – einfach mal so – Erfahrungen aufsaugen liessen. Natürlich nicht mit dem Anspruch, dass sie von Euch wiederholt werden sollen. Fast alles war schon mal da. Sucht Eure Visionen trotzdem! Findet sie und haltet daran fest! Seid frech, mutig, aufmüpfig, kritisch aber trotzdem kreativ und innovativ!
Seid stolz auf das was Ihr tut! Haltet zusammen und macht! Aussitzen ist auch für Euch keine Option – geht gar nicht! 
«Darüber müsste man ein Buch schreiben!“ Na dann! Episoden und Nuller-Themen gibt es ja genug. Dann lasst uns mal darüber bloggen. Das mit Nuller-Themen meist einhergehende, egoistische, geschäftsschädigende und unethische Verhalten gehört mal auf den Tisch! Was ihr damit macht, überlasse ich Euch. Nur eines noch. Mit Bloggen alleine wird sich nichts ändern. Zivilcourage, Fachkompetenz, und Zusammenarbeit sind die Grundlage für die Alternativen. 

Dichtung und Wahrheit

Die gemachten Aussagen in meinen Kurzgeschichten basieren auf meiner persönlichen Wahrnehmung. Die vorkommenden Personen und deren Handlungen sind selten frei erfunden. Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten sind nicht immer rein zufällig. Die Dokumentenflut mit unübersichtlichen Dokumenten­ab­la­gen unterstützt eine faktenbezogene Geschichtsschreibung leider überhaupt nicht. Das muss ja auch nicht sein, denn die Authentizität der Geschichten lebt durch die geschilderten Wahrnehmungen der Involvierten.

Kein Generationenkonflikt

Gemäss Sozialisationstheorie gehöre ich zu den „Baby Boomern“. Gut ein Drittel von dieser Kohorte ist noch arbeitstätig. Ich bin also einer von Jenen, die «Mitschuld» sind an all dem, was heute nicht läuft und die Umwelt kaputt macht. Ein Verursacher also. Ich habe auf die Job Sicherheit geachtet, viel TV gesehen (noch heute), mit Hilfe von Telefonen kommuniziert (heute kaum mehr) und habe noch gelernt mit dem „gelben Büchlein“ am Postschalter meine Rechnungen zu begleichen. Heute natürlich, elektronisch und damit voll im Trend. Eigentlich fühle ich mich der Generation Y und teilweise sogar Z nahe. Meine innere Haltung und mein Geschäftsinteresse verhindern, dass ich mich still ins Körbchen setze und auf das Leckerli warte. Ich will nicht! Es macht den meisten Baby Boomern immer noch grossen Spass, engagiert und mit vereinten Kräften Berge zu versetzen. Was wir allerdings gar nicht mögen, ist wenn wir von pseudokompetenten externen Beraterstäben zu Handlangern degradiert werden und uns Nuller-Themen widmen müssen. Da kann ein Baby Boomer schon mal zum veritablen Chnebelgrind werden. Mit geballter Faust im Sack, geschehen lassen? „Was kann man da schon dagegen tun?“ Dem sage ich „Aussitzen“! 

Umfassende Globalisierungs- und Zentralisierungsbestrebungen, wie sie gegenwärtig wieder in Mode sind, verlangen neben rein theoretischem Grundwissen, ein fundiertes Fachwissen und eine grosse Praxiserfahrung. Fehlen diese Voraussetzungen, scheitern sie. Wer sich von selbst ernannten Experten, Theoretikern und Luftschloss-Architekten alten Wein in neuen Schläuchen andrehen lässt, hinterlässt neben einem finanziellen Fiasko Narben, die nur schwer verheilen und nachfolgend notwendig werdende Heilungsprozesse stark erschweren oder gar verhindern. Wer in solchen Situationen nicht die Zivilcourage aufbringt inne zu halten und Verbesserungen anstrebt, verliert den Boden unter den Füssen. Standhaft und couragiert aufzutreten und eben nicht in die Aussitztaktik zu verfallen, braucht eine gehörige Portion Mut, Durchhaltewillen und ein starkes Team von kompetenten Langstreckenläufern und Machern! Dazu sind alle am Arbeitsprozess beteiligten Generationen gefordert. Wir brauchen uns alle!

Perspektive

Was ist geblieben von der fast 16 Jahren engagierten Mitarbeit in einer innovativen Direktion mit seinen gut tausend Ingenieuren, Wissenschaftlern, technischen und betriebswirtschaftlichen Mitarbeitenden. Wo sind sie hin, meine Vorbilder, die Fahnenträger, die geerdeten Motivatoren, die (Munter)Macher, die Profis? Wem haben sie Platz gemacht, machen müssen? 

Ich habe sie wiedergefunden! Schaut Euch um, schaut Euch an! Ihr seid sie! Die Fahnenträger, die geerdeten Motivatoren, die Macher, die Profis! Ihr reitet eine Welle nach der andern. Es macht Spass zuzusehen. Super!

Herausforderung und Nachhaltigkeit

Kümmert Euch nicht nur um das Strandpublikum. Die Luftschloss-Architekten, externen «Experten», Theoretiker, Besserwisser, verziehen sich wieder, wenn die Sonne untergeht. Sie sind ja nicht bösartig. Ihr Wellenreiter seit eh da, bei jedem Wetter. Ihr liefert zu „eh-Da-Kostensätzen“ Eure Show ab. Nach meinem Geschmack gehört mehr Strandpublikum auf die Bretter! Aber nicht ohne Sicherheitsweste und Training! Wir sind nicht beim Stand up Paddling!